Unsere Expertin vor Ort in England
Worauf sollten Familien beim Besuch eines britischen Internats achten?
Die Wahl eines britischen Internats ist für jede Familie eine wichtige Entscheidung. Doch worauf sollten Eltern und Familien beim Besuch eines Internats jenseits von Hochglanzbroschüren, akademischen Ergebnissen und beeindruckenden Einrichtungen achten?
Wir haben mit Maria Kerr gesprochen, die viele Jahre als Director of Admissions an verschiedenen britischen Internaten tätig war und auf Wunsch die von Martina beratenen Familien bei Schulbesuchen in England begleitet.
Ein Glücksfall für Martina, denn Maria hat über die Jahre hinweg Familien aus aller Welt auf dem Weg in ein britisches Internat begleitet und kennt den Aufnahmeprozess aus erster Hand. Diese Erfahrung kommt Familien zugute, die sich eine kompetente Begleitung bei ihren Schulbesuchen wünschen, um im Anschluss die gewonnenen Eindrücke zu sortieren und einzuordnen.
Daneben widmet sich Maria einer weiteren Leidenschaft: Bildungsreisen, die das Leben, die Werke und die Welt von Agatha Christie in der schönen Grafschaft Devon erlebbar machen.
Unsere Fragen an Maria
Worauf sollten Familien beim Besuch eines Internats besonders achten?
Maria: Natürlich ist es wichtig, sich die Unterrichtsräume, Boardinghäuser, Sportanlagen und akademischen Möglichkeiten anzusehen. Mindestens genauso entscheidend ist für mich jedoch die Atmosphäre einer Schule.
Ich vergleiche die Schulwahl gerne mit der Suche nach einem neuen Zuhause. Man weiß, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. wie etwas Küche, Badezimmer usw.. Aber wenn man ein Haus betritt, spürt man meist sofort, ob man sich dort wohlfühlen könnte. Bei einer Schule ist es ähnlich. Deshalb empfehle ich Familien immer, Schulen, die in die engere Auswahl kommen, persönlich zu besuchen.
Wie gehen die Kinder miteinander um? Wie sprechen die Lehrkräfte mit Ihnen? Kennen sie die Schülerinnen und Schüler persönlich oder nur ihre Namen? Wirken die Kinder glücklich, entspannt und selbstbewusst?
Es sind die Menschen, die eine Schule ausmachen, nicht die neuesten und modernsten Einrichtungen. Besonders aufschlussreich ist es, mit den Schülerinnen und Schülern während einer Schulführung selbst zu sprechen. Fragen Sie nach ihren Lieblingsfächern oder nach dem Essen. Suchen Sie eine Schule, an der alle stolz darauf sind, ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Es geht nicht darum, die vermeintlich beste Schule zu finden, sondern die Schule, die am besten für das eigene Kind passt.
Welche Fragen sollten Eltern unbedingt stellen?
Maria: Ich ermutige Familien immer dazu, nach dem ganz normalen Alltag zu fragen. Wie werden neue Schülerinnen und Schüler aufgenommen und integriert? Wer kümmert sich, wenn ein Kind sich während der Woche unwohl oder krank fühlt? An wen wendet sich ein Kind, wenn es Heimweh oder ein Problem hat? Wie werden die Wochenenden gestaltet? Und wie unterstützt die Schule internationale Schülerinnen und Schüler?
Fragen Sie nach Beispielen, wenn es einmal nicht gut geklappt hat, ebenso wie nach Erfolgsgeschichten. Erfragen Sie die verschiedenen Nationalitäten an der Schule und ob es auch britische InternatsschülerInnen gibt. Gibt es Möglichkeiten, die Wochenenden bei TagesschülerInnen zu verbringen?
Die Antworten auf solche Fragen sagen häufig mehr über die Schule aus als reine Prüfungsergebnisse.
Sie haben selbst viele Jahre im Admissions-Bereich gearbeitet. Wie hilft Ihnen diese Erfahrung heute bei der Begleitung der Familien?
Maria: Da ich als Aufnahmeleiterin das Zulassungsverfahren aus dem Blickwinkel der Schulen kennengelernt habe, bringe ich eine besonderes hilfreiche Perspektive und ein Verständnis mit, das Eltern zugutekommt. Ich weiß, wie Schulen sich präsentieren, wie Aufnahmeverfahren ablaufen und welche Fragen Familien stellen sollten. Ich halte über die MitarbeiterInnen der Aufnahmebüros Kontakt zu diesen Schulen und verfolge auch ihre aktuellen Nachrichten. Die Welt verändert sich ständig, und deshalb suche ich nach einer beständigen Schule mit einem starken Leitbild. Ich kann Familien persönlich bei ihren Schulbesuchen begleiten, und das ist besonders hilfreich, wenn es um mehrere Internate geht. Gemeinsam können wir wichtige Unterschiede herausarbeiten und anschließend überlegen, welches Umfeld am besten zum eigenen Kind passen könnte. Auch die Lage der Schule ist wichtig. Soll Ihr Kind Zugang zu Kultureinrichtungen haben oder eine Schule auf dem Land besuchen, da das seinen Wünschen und seinem Naturell mehr entspricht?
Es ist wichtig zu wissen, welches Ziel Sie neben der schulischen Erfahrung mit dem Auslandsaufenthalt verfolgen. Ein Besuch der Schule und der näheren Umgebung kann dabei helfen, diese Frage zu beantworten. Jemand wie ich, der die Umgebung gut kennt, kann Ihnen dabei viel Zeit sparen.
Heute organisieren Sie außerdem Bildungsreisen rund um Agatha Christie. Wie kam es dazu?
Maria: Es war beinahe Zufall. Mein Mann und ich sind beide am Meer aufgewachsen und wollten wieder am Meer leben. Wir zogen nach Torquay als unsere Kinder zur Universität und ins Berufsleben gestartet sind. Hier entdeckten wir, dass Torquay der Geburtsort von Agatha Christie war und lasen ihre Autobiographie. Ich war zu dieser Zeit noch im Bildungsbereich tätig und konnte eine Verbindung zwischen den Familien, die ich betreute sehen und und den internationalen Besuchern, die wegen Agatha hierherkommen. Ich bin einfach gerne mit Menschen zusammen.
Für mich geht es bei diesen Reisen aber um viel mehr als darum, schöne Orte zu besuchen. Sie verbinden Literatur und Geschichte mit den Orten, die mit Agatha Christies Leben und Werk verbunden sind. Wenn man diese Schauplätze in Devon selbst erlebt, eröffnet sich oft ein ganz neuer Blick auf ihre Bücher.
Gibt es eine Verbindung zwischen Ihrer Arbeit im Bildungsbereich und Agatha Christie-Reisen?
Maria: Absolut. Literatur nimmt in der britischen Bildung einen wichtigen Stellenwert ein, insbesondere im Fach English Literature. Agatha Christies Werk eröffnet faszinierende Diskussionen über Sprache, Gesellschaft und britische Geschichte. Da Agatha 1890 geboren wurde und bis 1976 gelebt hat, erlebte (und beschrieb) sie einige unglaubliche Epochen der Geschichte. Vergessen Sie nicht, dass zu Beginn ihrer Karriere als Schriftstellerin Frauen kaum veröffentlicht wurden und noch nicht einmal das Wahlrecht hatten. Literatur wird besonders spannend, wenn man sie mit realen Orten, Menschen und historischem Kontext verbinden kann. Genau das möchte ich in meine Reisen einbringen.
Vielen Dank, Maria.
Über Maria Kerr
Maria war als Director of Admissions an verschiedenen britischen Internaten tätig und begleitet auf Wunsch von Martina beratene Familien bei ihren Internatsbesuchen in England.
Mit English Riviera Custom Tours organisiert sie außerdem Bildungsreisen, auf denen Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Leben, die Werke und die Welt Agatha Christies entdecken können. Miss Lemon, die beflissene Sekretärin von Hercule Poirot, ist Marias Alter Ego und Ihre Reiseveranstalterin. Vielleicht bietet der Auslandsaufenthalt Ihres Kindes auch für Sie als Familie eine schöne Gelegenheit, Agatha Christie und ihr Leben während einer der Ferien gemeinsam kennenzulernen.